Stillen – eine Wissenschaft für sich?!

Hallo ihr Lieben,

 

 

dieses Thema brennt mir ja schon etwas unter den Fingern. Denn dieses sensible Thema, hat mich die letzten Wochen intensiv begleitet. Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt

warum, wird über das Stillen so wenig gesprochen?

Stillen – meine Vorbereitung

Während meiner Schwangerschaft hatte ich mich noch zu einem Still-Workshop angemeldet. Dieser hat in einer Klinik in Stuttgart stattgefunden, in der ich ursprünglich entbinden wollte. Zu dem Zeitpunkt stand nämlich noch nicht fest, dass wir Deutschland noch kurz vor der Geburt unseren kleinen Milo´s verlassen werden.

Der Workshop war damals sehr interessant – wenn auch sehr theoretisch. Habe aufmerksam und interessiert zugehört. Einige Tipps und Infos mitgenommen. Was mir total gefehlt hat, war der praktische Teil. Die Dame hat mit einer Puppe paar Stillpositionen vorgemacht, die Teilnehmer haben aber nicht mal ausprobieren können. Das fand ich sehr schade.

Ansonsten habe ich hier und da etwas gelesen, mir aber ansonsten ehrlich gesagt nicht soooo viele Gedanken darüber gemacht. Habe darauf vertraut, dass Mutter Natur schon weiß, was zu tun ist.

Stillen – mein Beginn

Montag, „Tag“ 1

Ungeplant kam mein kleiner Mann ja am Montag,  11.02. per Kaiserschnitt auf die Welt. Im Kreißsaal wurde er mir dann auf die Brust gelegt und wir wurden erstmal alleine gelassen. An sich ja total schön – aber der kleine Mann hat die Brust gesucht und hatte natürlich nach einigen Minuten des Beschnupperns Hunger. Ich war noch völlig benebelt, konnte mich nicht bewegen und konnte ihn mir auch nicht anders hinlegen, dass ich ihn hätte stillen können. Die Hebamme hat sich leider ca. 20 Minuten Zeit gelassen, bis sie uns geholfen hat. Dann auch gleich mit dem Kommentar …

ob das wohl was wird …

Schön, wenn frisch gebackene Mütter gleich so motiviert werden und ihnen Hoffnung und Vertrauen geschenkt wird. Auf dem Zimmer (was auch ewig dauerte) angekommen, waren wir alleine. Alleine mit diesem entzückenden Wesen, welches völlig überrumpelt war, plötzlich auf der Welt zu sein. Ein harter Start. Mein Partner half mir beim anlegen des keinen Mannes, da ich durch die OP keine Kraft hatte und meine Beine nicht spürte und durch die zerrissene Bauchmuskulatur eben auch keine Kraft in der Mitte hatte. Die Nacht war für mich furchtbar. Ich war völlig benebelt und überfordert. Musste Milo nachts wecken, damit er isst, ihn bei Laune halten, dass er genügend saugt und nicht dabei einschläft. Dabei darauf achten, dass ich völlig übermüdet nicht auch einschlafe.

Dienstag, Tag 2

Am Dienstag blieb ich auf dem Zimmer. Schaffte es erst am späten Nachmittag ins Badezimmer (mit Unterstützung von 3 Krankenschwestern). Das Stillen zog sich. Das Anlegen war umständlich und ich zweifelte daran, dass es so richtig ist. Jede Krankenschwester zeigte es mir anders und ich war völlig verunsichert.

Mittwoch, Tag 3

Am Mittwoch ging ich das erste Mal ins Kinderzimmer und traf auf eine Hebamme. Da ich mit dem Stillen gefühlt nicht so zurecht kam und natürlich auch Schmerzen hatte, bat ich sie um Unterstützung. Die Brustwarzen sahen schon ziemlich mitgenommen aus, sodass ich Stillhütchen bekam. So ging es schon etwas besser, war natürlich etwas aufwendiger. Aber Hauptsache diese Schmerzen würden nachlassen. Übrigens empfiehlt es sich auch im Vorfeld eine dieser Salben mitzuhaben (falls sie nicht im Krankenhaus zur Verfügung gestellt werden).

Donnerstag, Tag 4

Am nächsten Tag trag ich im Kinderzimmer auf eine andere Hebamme. Fragte auch sie nochmals um Unterstützung bzw. Überprüfung meiner Stillposition und Milo´s Saugverhalten. Also legte ich Milo an – übrigens immer im Rückengriff (Footballhaltung/ Rückenhaltung), da es mit Kaiserschnitt anfangs kaum anders möglich war. Sie war mit Milo´s saugen sehr zufrieden, gab mir noch Tipps ihn noch näher an mich anzudrücken und dann plötzlich hatte ich wahnsinnig Schmerzen und die Tränen schossen mir in die Augen. Milo hatte mich – also meine Brustwarte – mal wieder gebissen und so blutete ich und mir wurde erstmal ganz anders. So saß ich da, weinend mit Schmerzen und dann schrie Milo auch noch los, da er natürlich Hunger hatte. Ich war froh, dass sich die Hebamme Zeit nahm und mit mir sprach und mir dann weiterhalf.

Die Tage daheim – hallo Brustenzüdung & Stillpause

So ging es dann weiter. Die Brustwarzen waren trotz Stillhütchen wund. Hinzu kam dann am ca. sechsten Tag eine Brustentzündung. Das hieß dann Quarkwickel, Quarkwickel, Quarkwickel. Dann ein Milchstau mit knotigen schmerzenden Brüsten. Yeah!

Nach einigen Tagen legte es sich und ich kam gut zurecht. Milo und ich hatten uns etwas eingespielt. Dann biss er mich wieder sehr stark und bei jedem Stillen schossen mir die Tränen in die Augen. Zwei Tage später kam meine Hebamme und sah mich erstaunt an und wunderte sich, warum ich mich nicht früher gemeldet hatte. Sie empfahl mir eine Stillpause einzulegen, da die Brustwarzen so stark beansprucht waren, dass es so für die Stillbeziehung für uns nicht gut sei. Also ging ich in die Apotheke, lieh mir eine Milchpumpe aus, besorgte mir Zinkhütchen und Schmerzmittel.

Alle drei Stunden abpumpen – ihn nach Bedarf füttern. Das hieß, dass ich nachts so gut wie gar nicht mehr schlief. Nach knapp einer Woche war ich der Meinung- jetzt müsste es wieder gehen. Gab die Milchpumpe hoffnungsvoll wieder zurück und stillte voller Zuversicht Milo wieder.

Wenige Tage später biss er mich wieder. Mein Kreislauf verabschiedete sich, als ich das Blut im Stillhütchen sah. Ich wurde weiß – Milo begann zu schreien.

Also wieder in die Apotheke und die Milchpumpe ausleihen. Dieses Mal war es ja zum Glück wenigstens nur eine Brustwarze. Also stillte ich ihn auf einer Seite und die andere Seite pumpte ich ab. Wieder bahnte sich auch eine Brustentzündung an – die ich zum Glück aber mit Quarkwickel und Bettruhe gut abwenden konnte.

Mittlerweile …

Nach all den Schwierigkeiten in den ersten Wochen bin ich mittlerweile sehr dankbar, dass ich die Schmerzen ausgehalten habe und ich voll stillen kann. Dieses Glück haben leider nicht alle Frauen und es ist ein so sensibles Thema.

Zu wenig Milch, zu viel Milch, Schmerzen, Unsicherheit, … Alle Frauen die ich kenne, die nicht stillen, hätten so wahnsinnig gerne gestillt. Warum es bei manchen nicht klappt? Da steckt man nicht drin. Warum werden dann Frauen in unserer Gesellschaft schräg angeschaut, wenn sie einem kleinen Baby das Fläschchen geben? Warum aber auch, wenn sie in der Öffentlichkeit stillen? Warum ist unsere Gesellschaft hier noch nicht offen genug, um mit dem Thema umzugehen? Noch weniger verstehe ich, warum Frauen andere Frauen verurteilen warum sie nicht stillen / nicht voll stillen. Warum können wir nicht mit Verständnis damit umgehen?

Mittlerweile komme ich auch unterwegs gut zurecht. Die ersten Wochen konnte ich mir Milo nicht mal selbst anlegen. Erst nach ca. 7 Wochen nach der Geburt war ich in der Lage ihn auch mal anders zu stillen, ohne Stillkissen, spontan und auch unterwegs. Wir stillen jetzt auch unterwegs – je nach Bedarf. Am liebsten suche ich mir dafür ein stilles Plätzchen. Einen Ort, wo ich mich etwas zurückziehen kann, wo Milo und ich Ruhe haben. Bisher wurde ich zum Glück noch nie doof angesprochen. Denn auch das Thema Stillen in der Öffentlichkeit ist ja ein sehr sensibles. Für mich ist es das natürlichste auf der Welt.

Schade, dass Mutter Natur es nicht allen Frauen ermöglicht – aber vielleicht hätte der ein- oder anderen mit etwas mehr Vorbereitung, Wissen, Zuspruch, …. es geholfen über die schwierige Anfangszeit hinwegzukommen.

Stillpositionen

Mittlerweile mag ich die Kreuzwiegehaltung am liebsten, bzw. sie funktioniert mittlerweile am besten für uns.

Hier findest du einen schönen Überblick von Medela mit den vier beliebtesten Stillpositionen.

Meine Tipps für einen guten Stillstart

Im Nachhinein ist man ja meistens schlauer. Aber was ich jetzt anders machen würde – und somit dir vielleicht noch rechtzeitig mitgeben kann:

  • Rede mit anderen Frauen über das Thema (wenn möglich im Vorfeld).
  • Besuche einen Still Workshop an dem die Positionen auch geübt werden (immerhin mit einer Puppe).
  • Besorge dir ein gutes Stillkissen.
  • Kontaktiere bei ersten Problem gleich (!!) deine Hebamme oder eine Stillberaterin.
  • Kaufe dir im Vorfeld eine Lanolin Salbe und nimm sie mit ins Krankenhaus – spare damit nicht.
  • Suche dir einen ruhigen Platz in deiner Wohnung und richte dir eine gemütliche Stillecke ein. Am besten hast du einen kleinen Beistelltisch daneben, auf dem du dir Wasser und ggf. etwas zum Essen (Nüsse, Müsliriegel, Energiekugeln,…) bereitstellen kannst. Probiere wirklich im Vorfeld diesen Stuhl aus, richte dich mit Kissen, Decken, … allem notwendigen ein, sodass du wenn das Baby da ist und du aus dem Krankenhaus entlassen wirst nicht erstmal schauen musst, wo du es am besten stillen kannst.

Was du im Vorfeld besorgen kannst

Voneinander lernen

Das waren meine persönlichen Erfahrungen und daraus resultierende Tipps. Was hätte dir geholfen? Lasst uns gemeinsam Wissen teilen und werdenden Müttern das Stillen erleichtern und solche Schmerzen von Beginn an vermeiden.

Love & Namasté
Deine Heidi

 

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